Busse und Vergebung

 

 

Buße und Vergebung

 

Die Geschichte des Menschen soll eine Heilsgeschichte sein, nicht eine Unheilsgeschichte. Dafür hat Gott alles getan, was er tun konnte. Das Kreuz ist ein unübersehbares Zeichen seines Tuns für die Menschen. Wir sind getauft, damit hat unser Weg in die Vollendung begonnen. Der Mensch in der Gemeinschaft mit Gott, das ist Heil.

Niemand kann aber bestreiten, daß Unheil in der Welt geschieht. Die Geschichte des Menschen kann immer wieder zur Unheilsgeschichte werden in dieser Zeit. Der Mensch kann sich von Gott entfernen, ja ganz von ihm trennen. Dann entsteht eine unheilvolle, eine »sündige« Situation. Sünde ist Absonderung von Gott, ist Unheil. Das kann absolut tödlich sein. Und das ist nicht nur eine Sache, die den einzelnen Menschen betrifft. Sünde schafft Unheil auch zwischen den Menschen. Wir erleben das täglich.

Der Mensch kann den Weg in die Vollendung verlassen. Er kann andere, falsche Wege gehen, die zur ausweglosen Sackgasse werden können. Was dann?

»Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.« (1 Joh 1, 8-9)

Vom Unheil ist immer wieder ein Weg zurück ins Heil möglich. Gott hat nicht nur einmal etwas für die Menschen getan. Gott tut immer wieder etwas für den Menschen. Er schenkt Vergebung. Er bindet ihn wieder an sich. Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehrt und lebt.

Auch der Mensch muß etwas tun. Er muß um­kehren und sich von neuem Gott nähern, zu ihm gehen, Umkehr ist ein ganz entscheidendes Wort in unserem Leben, eine lebensentscheidende Notwendigkeit. Umkehr ist nicht Rückschritt, son­dern Fortschritt. In einer Sackgasse gibt es nur einen Weiterweg durch Umkehr.

Ein Mensch kehrt um. Er bekennt seine Schuld, Er steht zu seinem Versagen. Er bittet Gott um Verge­bung. Ein Mensch kehrt um, er tut Buße. Er will neu beginnen. Er will gutmachen, soweit es möglich ist, wo er Schaden angerichtet hat. Er will nach der Ordnung Gottes leben. Buße tun, das heißt mit Engagement neu den Weg des Heiles gehen, auf Gott zugehen, mit ihm gehen. Dieser Neubeginn ist möglich, weil Christus uns von der Macht des Bö­sen befreit hat. Immer wieder ist ein Weg aus der Sünde heraus möglich. Buße tun macht sichtbar und erfahrbar, daß der Mensch aus der sündigen Situation heraus will.

Buße tun, das heißt auch von neuem auf die Men­schen zugehen, mit ihnen gehen. Buße tun ist nicht nur eine Notwendigkeit des einzelnen, es ist auch eine der Gemeinschaft. Christen tun miteinander Buße. Sie ringen um einen Lebensstil, der dem Evangelium entspricht. Es ist der fortwährende Versuch, so gesinnt zu sein wie Jesus Christus, der Versuch, auf dem Weg des Heiles voranzu­schreiten.

Das Leben ist überaus vielfältig, darum können wir auf vielfache Weise Buße tun und Vergebung erfahren. Dazu möchte Ihnen dieses Heft Hilfe und Anregung sein.

 

 

Vielfältige Formen der Sündenvergebung

 

1. Allgemeine Formen der Sündenvergebung 

 

Jesus führt die bereits von den Rabbinen gelehrte Überzeugung weiter, daß Fasten, Beten und Almo­sengeben als Formen der Buße das Leben vor Gott fördern und der Versöhnung mit Gott und den Mit­menschen dienen (vgl. Mt 6,1-18). Die Überliefe­rung des Herrn wird im 1. Petrusbrief so zusam­mengefaßt: »Vor allem haltet fest an der Liebe zu­einander, denn sie deckt viele Sünden zu.« (1 Petr 4,8)

 

Fasten 

 

Das Fasten ist eine Übung, die Leib und Seele erneuert und uns Gott näherbringt. Weniger Kon­sum, weniger Vergnügen (Tanz, Rauchen, Alkohol) lassen uns unabhängiger und freier werden. Alles, was wir zuviel haben, macht uns hart gegenüber den anderen und verwischt die Grenzen, die wir brauchen, um nicht maßlos und ungerecht zu wer­den. Wir können nicht mehr teilen und uns nicht mehr mit-teilen. Wir verlieren den Bezug zum Nächsten und zu Gott.

 

Beten

 

»Zur Buße beten Sie...«, sagt der Beichtvater und will damit dem Beichtenden nicht vortäuschen: Mit dem Gebet ist die Sache erledigt. Er will vielmehr dem Christen das Gebet als wichtigen Weg der Buße empfehlen. Das Gebet soll die Umkehr ver­tiefen und dazu helfen, mit Gott und den Mitmen­schen versöhnt zu leben. Im Gebet empfangen wir Vergebung, erhalten wir neue Impulse, uns zu wandeln und werden wir gestärkt, mit unseren alltäglichen Fehlern zu leben, ohne abzustumpfen. Was wir »in der Kammer« (vgl. Mt 6,6) erbitten, ge­währt uns der Vater, der ins Verborgene sieht. Wenn wir wie der Zöllner »am Eingang des Tem­pels« an die Brust schlagen mit dem Bekenntnis auf den Lippen: »Gott sei mir Sünder gnädig« (vgl. Lk18, 9-14), dürfen wir gewiß sein, von Gott ange­nommen zu werden.

Das Gebet hilft, das eigene Leben und das Zusam­menleben mit den anderen besser zu bewältigen. Besonders erfahren diese Wirkung Kranke und von schweren Schicksalsschlägen Heimge­suchte, die ihr unverschuldetes Leid annehmen lernten. Wie wäre sonst die Aussage eines Schwerkranken zu verstehen, der sich im Blick auf das Kreuz zu dem Bekenntnis durchgerungen hat:

»Weil Du, Herr, für mich mitträgst, kann ich meine Schmerzen ertragen.« Das meint wohl auch der Apostel Paulus, wenn er sagt: »Immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib« (2 Kor 4,10) und ergänzen, »was an den Leiden Christi noch fehlt« (Kol 1,24).

 

Almosen

 

Almosen geben heißt helfen, ohne Lohn zu er­warten; geben, ohne wieder haben zu wollen; die linke Hand weiß nicht, was die rechte tut (vgl. Mt. 6,3).

Almosen, Geld geben, macht uns freier und bringt uns dem anderen näher. Almosen geben, dem Nächsten Gutes tun heißt auch, von der eigenen kostbaren Zeit dem ande­ren etwas schenken, dem Menschen neben mir zuhören; das Leid des anderen sehen, es mit­tragen und ihm praktisch helfen.

Almosen geben heißt auch, ein gutes Gespräch versuchen, Freude verbreiten; Geduld haben mit Kindern und Jugendlichen, dem Ehepartner, dem Freund.

Almosen geben heißt auch, von meinem Glauben mitteilen und dadurch andere stärken; Hoffnung schenken, Jesus näherbringen; Liebe geben, zu­rückstehen und warten können. All das kostet Zeit, Zeit, die bei Gott nicht verloren ist.

 

2. Die liturgischen Formen der Sündenvergebung

 

Sünde ist nie nur Privatsache, nie nur eine Sache, die allein zwischen dem Menschen und Gott abzu­machen wäre; denn kein Mensch kann so isoliert leben, daß er nicht wenigstens geistig in die menschliche Gesellschaft eingebunden bliebe. Wir wissen heute, böse, haßerfüllte Gedanken sind Mächte, sind »Strahlungen«, die sich negativ auf die Mitmenschen auswirken. Das gilt in besonde­rer Weise für die Christen, da sie Glieder am Leib Christi sind (vgl. 1 Kor 12,12-27). Ein krankes Kör­perorgan zieht immer den ganzen Leib in Mitlei­denschaft. So wird verständlich, warum Buße und Vergebung einen besonderen Ort in den gottes­dienstlichen Versammlungen der Christen haben, vor allem in der Feier der Eucharistie oder in einem eigenen, zu diesem Zweck gefeierten Gottes­dienst (Bußgottesdienst). Die wichtigste liturgische Form der Sündenvergebung ist das Bußsakra­ment. In der sakramentalen Versöhnungsfeier (Beichte) spricht Jesus unmittelbar den einzelnen an, wie er es einst beim Gelähmten im Hause von Kafarnaum getan hat: »Deine Sünden sind dir ver­geben« (Mk 2,5). Eine solche persönliche Begeg­nung mit Christus kommt unserer menschlichen Natur sehr entgegen; denn sie schenkt uns das si­chere Bewußtsein, von Gott, der die Liebe ist, auch in unserer Sündhaftigkeit angenommen zu sein. So sehr dieser Vorgang im Raum des Beichtge­heimnisses bleibt, ist er doch nicht »privat«, son­dern »öffentlich«, da der Priester stellvertretend für die Kirche handelt.

 

Buße und Vergebung in der Eucharistiefeier

 

Das allgemeine Schuldbekenntnis am Anfang der Meßfeier nimmt in den Worten »ich bekenne ... allen Brüdern und Schwestern, daß ich Gutes unterlassen und Böses getan habe« die soziale Seite der Sünde ernst. Jeder wendet sich an jeden und bittet, für ihn vor Gott einzutreten: »Darum bitte ich euch, Brüder und Schwestern, für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.« Auch das Hören des Wortes Gottes hat sündentilgende Kraft. So spricht der Priester nach dem Evangelium: »Herr, durch dein Evangelium nimm hinweg unsere Sün­den.« Damit wir am Mahl des Herrn nicht unbuß­fertig teilnehmen, wird im »Vater unser« noch ein­mal die Bitte um Vergebung ausgesprochen und die Bereitschaft, selbst zu vergeben, bekundet: »Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.« Vielfach werden diese Wor­te durch ein sichtbares Zeichen der Zuwendung und Versöhnung, den Friedensgruß, unterstrichen. Und dann bekräftigen wir unser Vertrauen auf die vergebende Güte des Herrn mit dem Ruf: »Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt« und mit dem Gebet »Herr, ich bin nicht würdig, daß du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.«

 

Der Bußgottesdienst

 

Der Bußgottesdienst vertieft und entfaltet den Vor­gang von Buße und Vergebung. Er macht deutlich, daß die Umkehr und die Hinwendung zu Gott nicht nur für den einzelnen, sondern auch für die Ge­meinschaft notwendig sind, weil auch die Gemein­schaft dem Mitmenschen gegenüber oft versagt. Im Bußgottesdienst empfangen wir Anleitung zu einer vertieften Gewissenserforschung. Nicht selten entdecken wir dabei Lebensbereiche, die wir vielleicht noch nie mit Gott und seiner Ordnung in Beziehung gebracht haben. Im Bußgottesdienst hören wir die Worte Jesu, durch die wir gleichsam aus »erster Hand« die Botschaft vom verzeihen­den Vater im Himmel vernehmen. »Im Himmel wird mehr Freude herrschen über einen einzigen Sün­der, der umkehrt, als über neunundneunzig Ge­rechte, die es nicht nötig haben umzukehren« (Lk 15,7). Besonders zu den Bußzeiten des Kir­chenjahres, im Advent und in der Fastenzeit, hat der Bußgottesdienst seinen festen Platz im Leben der Pfarrgemeinde.

 

Die Feier des Bußsakramentes (Beichte)

 

»Unter den liturgischen Formen der Buße und Sündenverge­bung nimmt das Bußsakrament eine hervorragende Stellung ein. Im Auftrag der Kirche wird dem, der umkehrt, durch den Priester in der Vollmacht Christi im wahrnehmbaren Zeichen Versöhnung geschenkt. FürdieGläubigen, diesich in schwe­rer Sünde von Gott getrennt haben, bleiben das persönliche Bekenntnis und die persönliche Lossprechung die einzige ordentliche Weise, in der Kirche Versöhnung mit Gott zu fin- den. Aber auch denen, die sich keiner schweren Sünde be­wußt sind, empfiehlt die Kirche, in Zeitabständen, in denen das eigene Leben noch überschaubar ist, das Bußsakrament zu empfangen. Darin kommt zum Ausdruck, daß jeder Gläu­bige immer neu der Vergebung und der Hilfe bedarf, die ihm im Bußsakrament geschenkt wird.« (Synodenbeschluß »Schwerpunkte heutiger Sakramentenpastoral«, 4.3)

Wer heute zur Beichte geht - ob in den Beichtstuhl oder in ein Beichtzimmer wird feststellen: Der Ri­tus des Sakramentes ist gegenüber früher in man­cher Hinsicht verändert. Die deutsche Sprache, neue Gebete und Zeichen - manche davon als Vorschlag angeboten - machen die Beichte ver­ständlicher und persönlicher.

 

Der Priester begrüßt zunächst den Beichtenden und lädt ihn gegebenenfalls nach dem Kreuz­zeichen durch ein paar freundliche Worte zum Bekenntnis ein.

Das Bekenntnis soll ehrlich und persönlich sein. Eine Hilfe dazu ist, wenn der Beichtende von seiner Situation und seiner Schuld erzählt. So werden für den Beichtenden und für den Prie­ster auch Hintergründe und Ursachen für die Sünden und Fehler eher offenbar. Wenn nötig, hilft der Priester beim Bekenntnis.

Der Priester kann während der Lossprechungsworte seine Hände (oder seine Hand) über den Beichtenden ausbreiten - ähnlich dem feier­lichen Schlußsegen bei der Messe. In den Los- sprechungsworten wird deutlich, daß der Prie­ster im Namen und im Dienst der Kirche, also im Namen der größeren, glaubenden Gemein­schaft handelt.

 

Die Beichte führt zur Erneuerung und Vertiefung der Gemeinschaft mit Gott. Seine Vergebung, sei­nen Trost und sein Aufrichten erfährt der Beich­tende als große Lebenshilfe. Im Gebet und im Lob­preis dankt er Gott dafür.

 

 

Der Ritus der Beichte

 

Begrüßung 

 

Wenn der Beichtende den Beichtstuhl oder das Beichtzimmer betritt, begrüßt ihn der Priester. Dann macht der Beichtende das Kreuzzeichen und spricht:

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

P: Gott, der unser Herz erleuchtet, schenke dir wahre Erkenntnis deiner Sünden und seiner Barm­herzigkeit.

Antwort: Amen.

 

Der Priester kann nun, wenn es Zeit und Umstände erlauben, ein Schriftwort lesen oder sprechen.

 

Bekenntnis und Genugtuung 

 

Es folgt das Bekenntnis der Sünden und das Beichtgespräch, bei dem der Beichtende ein angemessenes Bußwerk zur Genugtuung für sei­ne Sünden übernimmt.

 

Reuegebet und Lossprechung

 

Nach einem Bekenntnis soll der Beichtende ein kurzes Reuegebet sprechen. Er kann z. B. sagen:

 

Ich bereue, daß ich Böses getan und Gutes unter­lassen habe. Erbarme dich meiner, o Herr.

 

Der Priester erteilt die Lossprechung mit folgenden Worten:

 

Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Ver­gebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden.

So spreche ich dich los von deinen Sünden.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Antwort: Amen.

 

Dank und Entlassung

 

P: Dankt dem Herrn, denn er ist gütig.

Antwort: Sein Erbarmen währt ewig.

Dann entläßt der Priester den Gläubigen, der Ver­gebung seiner Sünden empfangen hat, mit den Worten:

Der Herr hat dir die Sünden vergeben. Geh hin in Frieden.

 

Nach der Entlassung durch den Priester soll der Gläubige noch eine Danksagung halten. Dazu kann er folgendes Gebet verwenden:

 

Gebet zur Danksagung

 

Ich danke dir, Herr, für die Vergebung, die ich erfah­ren habe, und für den Mut zu einem neuen Beginn.

Ich danke auch für die Versöhnung mit der Kirche, der ich mit meiner Schuld Schaden zugefügt habe.

Ich will mir Mühe geben, nicht nur mit Worten dankbar zu sein. Auch ich will vergeben, wenn andere mir schaden oder mir wehe tun.

Ich weiß, Herr, es wird nicht alles ganz anders wer­den in meinem Leben. Aber ich vertraue darauf, daß du mich nicht verwirfst und daß die Kirche mir immer wieder deinen Frieden schenkt, auch wenn nicht alles gelingt, was ich mir vornehme.

Ich danke dir, Herr, daß ich solches Vertrauen haben darf, weil du unsere Schuld getragen hast, und weil dein Erbarmen fortlebt in deiner Kirche.

 

Wenn der Priester eine Gebetsbuße aufgetragen hat, kann sie jetzt verrichtet werden.

Aus seelsorglichen Gründen kann der Priester eini­ge Teile der Feier auslassen oder abkürzen.

Gotteslob Nr. 60

 

 

Hilfen

 

1. Hinführung zur persönlichen Gewissenserforschung

 

Beim Nachdenken über praktische Hilfen zur per­sönlichen Gewissenserforschung stellte sich eine Gesprächsrunde von Teilnehmern verschiedenen Alters und Geschlechts die Frage: Wann ist ein Mensch in Ordnung? Wann ist er gut?

 

Die Gesprächsteilnehmer gaben spontan fol­gende Antworten:

 

»Du bist in Ordnung, Du bist gut,

 

weil du Liebe und Wärme ausbreitest

weil du zuverlässig bist

weil du trösten und verzeihen kannst

weil du Zeit für mich hast

weil du treu bist

weil du hilfsbereit, freundlich und verständnis­voll bist

weil du anständig, ehrlich und tolerant bist

weil du fröhlich bist und lachen kannst

weil du zuhören und schweigen kannst

weil du nicht schwafelst

weil ich mit dir durch dick und dünn gehen kann

weil du mich ernst nimmst

weil du teilen, dich mit-teilen kannst

weil du so bist, wie du bist

weil ich mich in deiner Gegenwart wohl und sicher fühle

weil ich mit dir über alles reden kann

weil ich dich mag.«

 

Alle diese Aussagen berühren das Wesentliche unseres Christseins. Wenn ich einem Menschen begegne, auf den diese Aussagen zutreffen, dann kann ich ihm vertrauen.

 

Vertraue ich auch Gott so, von dem die Bibel sagt, daß er gut ist?

 

Habe ich Zeit für IHN?

Fühle ich mich in SEINER Gegenwart wohl und sicher?

Kann ich IHM zuhören?

Teile ich mich IHM mit?

Kann ich mit IHM reden?

Bin ich IHM treu?

 

Im Nachsinnen darüber stellen wir fest, wie stark unser Alltag vom Tagesrhythmus, von unseren Ge­wohnheiten und Pflichten geprägt ist.

Das Zusammenleben mit unseren Nächsten in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, in der Schule, am Arbeitsplatz, in der kirchlichen und poli­tischen Gemeinde läßt uns nüchtern und klar erkennen und erfahren:

 

»Ich bin nicht immer in Ordnung; ich bin nicht immer gut.«

 

Weil das so ist, und wir immer wieder vor Gott und den Menschen schuldig werden, brauchen wir die Erfahrung, wieder angenommen und geliebt zu sein, brauchen wir die Verzeihung und Versöhnung mit Gott und den Menschen.

Unsere Sehnsucht nach geheilten Beziehungen, nach geheilten Wunden und Verletzungen läßt uns umkehren und rufen und beten:

 

»Führe mich heraus aus dem Kerker, damit ich deinen Namen preise«;

 

- führe mich heraus aus dem Kerker meiner Gott­ferne, meiner Angst und meines Mißtrauens, meiner Ich-Bezogenheit, meines Eigensinns und meiner Eitelkeit, meines Stolzes und meiner Oberflächlichkeit, meiner Blindheit und meiner Sprachlosigkeit.

Aus meinem Kerker - aus meinen Fesseln - will der HERR mich befreien. ER will mit mir sein - auch dann, wenn ich nicht in Ordnung, nicht gut bin. ER will mich heilen; ER will mir seinen Trost, seine Barmherzigkeit und seine Liebe im Sakrament der Buße schenken.

 

 

2. Gewissensspiegel

 

(Ein Vorschlag zur persönlichen Gewissenser­forschung)

 

Ich bin der Herr, dein Gott - du sollst keine ande­ren Götter neben mir haben.

Gott möchte der Herr meines Lebens sein.

Wie viel Zeit nehme ich mir für ihn? Für das Gebet? Für die Bibellesung? Wie oft denke ich an ihn? Wie groß ist mein Vertrauen und meine Hoffnung auf ihn? Warum ist mir vieles andere wichtiger als Gott?

 

Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.

Wir können nicht groß genug von Gott denken und sprechen.

Habe ich Ehrfurcht vor Gott? Ist das auch in mei­nem Reden und Denken über Religiöses spürbar? Welchen tieferen Grund könnte meine fehlende Ehrfurcht haben?

1) Ausführliche Vorschläge für Gewissensspiegel, auch für Kinder und Ju­gendliche, vgl. Gotteslob Nr. 61-66. 

 

 

Gedenke, daß du den Sabbat heiligst.

Der Sonntag ist der Tag des Herrn. Ich bin einge­laden zum Gottesdienst der Pfarrgemeinde, ich bin aufgerufen, diesen Tag für die Gemeinschaft (Familie, Pfarrgemeinde) zu gestalten.

Gehe ich am Sonntag zum Gottesdienst? Welche Beziehung habe ich zu meiner Pfarrgemeinde? Wirkt sich der Gottesdienst in meinem Leben aus? Warum mißlingt mir manchmal die Sonntags­gestaltung?

Du sollst Vater und Mutter ehren.

Gott hat mir Vater und Mutter geschenkt. Er stellt mir die Aufgabe, ihnen dankbar zu sein und sie nicht zu vergessen.

Wie ist das Verhältnis zu meinen Eltern? Wie viel Zeit und Sorge schenke ich ihnen? Aus welchen Motiven? Wie verhalte ich mich gegenüber denen, für die ich Verantwortung trage, vor allem gegen­über Kindern und Jugendlichen?

Du sollst nicht töten.

Nach dem Willen Gottes soll ich mich und andere Menschen nicht zerstören oder schädigen, sondern aufbauen, lieben und helfen, daß Versöhnung geschieht.

Wer sind meine »Nächsten«? Bin ich hilfsbereit? bereit zum Verzeihen und Trösten? Schenke ich en anderen Fürsorge, Liebe und Anerkennung? Warum habe ich Angst vor neuen Begegnungen und drücke mich vor sozialem Engagement?

Du sollst nicht ehebrechen.

Gott schützt die lebenslange Beziehung zwischen Mann und Frau in der Ehe. Wie ist meine Einstellung zur eigenen, zur fremden Ehe? Wie ist mein eheliches, wie mein vor- oder außereheliches Verhalten?

Welches Verhältnis habe ich zu meinem eigenen Körper? Warum rede ich so über die Geschlecht­lichkeit?

 

Du sollst nicht stehlen.

Gott ruft mich, das Eigentum des Nächsten zu re­spektieren und meinen eigenen Besitz zu teilen. Wie gehe ich mit dem Eigentum anderer um? Bin ich dankbar für das, was ich habe? Nutze ich mei­ne Fähigkeiten, meine Arbeit und meinen Besitz verantwortungsbewußt? Welche Rolle spielt das Geld in meinem Leben? Was bedeutet mir Armut?

 

Du sollst nicht lügen.

Gott will, daß ich weder mir noch anderen durch mein Reden schade.

Wie ist meine Sprache? Kann sich der andere auf mein Wort verlassen? Wo und aus welchen Moti­ven heraus belüge ich die anderen und mich selbst?

3. Reuegebete 

 

Für Erwachsene

Gott, himmlischer Vater, ich habe gesündigt; ich kann meine Sünde nicht ungeschehen machen. Du allein kannst Sünden vergeben. Du hast deinen Sohn Jesus Christus gesandt, daß er die Schuld der Welt auf sich nehme und die Sünder zu dir zu­rückführe.

 

Herr Jesus Christus, führe auch mich von meinen Irrwegen zurück auf den Weg der Wahrheit und des Lebens. Ich bekenne meine Sünde und be­reue sie, weil sie mich von dir fernhält. Herr, verzeih mir und schenk mir deinen Geist, damit ich deine

Liebe erkenne und sie dankbar erwidere.

*

Gütiger Gott. Ich habe gesündigt, aber ich will mir wieder Mühe geben, das Gute zu tun. Ich kenne meine Schwäche, aber ich vertraue auf deine Hilfe. Du sollst das Ziel sein, das ich immer vor Augen habe. Laß mich dich nicht vergessen, laß mich dich suchen und finden.

*

Dich liebt, o Gott, mein ganzes Herz; und dies ist mir der größte Schmerz, daß ich erzürnt dich, höch­stes Gut. Ach, wasch mich rein in Jesu Blut. Daß ich gesündigt, ist mir leid; zu bessern mich bin ich bereit. Mein Gott und Herr, mir doch verzeih; nie mehr zu fallen, Gnad verleih.

Die vorstehenden Gebete sprechen nur allgemein vom Vor­satz. Selbstverständlich muß jeder entsprechend seinen per­sönlichen Lebensverhältnissen überlegen, was er sich im einzelnen vornehmen kann.

Gotteslob Nr. 59, 5,7,8

Für Kinder und Jugendliche

Guter Gott!

Ich möchte gut sein. Ich möchte tun, was du willst. Ich möchte den anderen helfen. Ich habe es nicht immer fertiggebracht. Verzeih mir!

 

Guter Gott!

Du hast mir so viel Schönes geschenkt.

Ich möchte dankbar sein.

Leider habe ich viel zu viel an mich selbst gedacht.

Verzeih mir!

Guter Gott!

Ich habe Böses angestellt und kann nicht alles gut­machen. Jesus hat das Böse besiegt. Er ist am Kreuz für mich gestorben und hat sein Blut ver­gossen zur Vergebung der Sünden. Verzeih mir!

Guter Gott!

Ich darf dir helfen, den anderen Menschen deine Liebe zu zeigen.

Ich nehme mir vor:... (Fasse hier deinen eigenen

Vorsatz)

Hilf mir dabei!

Amen.

Gotteslob Nr. 65, 3

*

Vater, ich habe gesündigt vor dir; ich bin nicht wert, dein Kind zu heißen. Du hast mich nach deinem Bild erschaffen und mich zu Großem berufen, und ich habe gesündigt, habe so klein gedacht, gere­det und gehandelt durch meine Schuld. - Ich blik- ke aber auf zu dir und deinem Sohn Jesus Christus. Er ist mein Herr. Auch für mich hat er am Kreuz sein Blut vergossen. Vergib mir meine Schuld, meine Sünden, meine Fehler. Du bist die ewige Liebe, nimm mich wieder an dein Herz und halte mich fest in deiner Gnade. Ich will dein sein und dein bleiben. Mach mich frei und führ mich zur herrli­chen Freiheit der Kinder Gottes. - Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Gotteslob Nr. 66, 9

 

 

4. Erfahrungen mit der Einzelbeichte

 

Ein persönliches Zeugnis 

Drei positive Erfahrungen möchte ich aufzählen, die ich mit der Beichte gemacht habe.

Die erste Erfahrung ist die Hilfe des Rhythmus. Ich gehöre auch zu jenen Menschen, die jahrelang entweder gar nicht oder nur sporadisch - zu Weih­nachten und Ostern oder ähnlichen Anlässen - gebeichtet haben. Nachdem mir dieser disziplin­lose und rein den Stimmungen ausgelieferte Zu­stand immer unerträglicher wurde, versuche ich jetzt, in einem Rhythmus von sechs bis acht Wo­chen, mit Terminabsprache, Vor- und Nachberei­tung zu beichten. Wenn auch damit kein Problem verschwindet oder gelöst ist, so erfahre ich doch diesen Rhythmus als Stütze und Hilfe, um nicht ausschließlich der Stimmung unterworfen zu sein, ob ich beichten mag oder nicht (Diese Stimmung bleibt sowieso stark genug!).

Eine zweite wichtige Erfahrung ist für mich, daß mir der Vorgang der Reue etwas klarer geworden ist. Tränen und Gefühle der Reue - geboren meist aus der Enttäuschung über sich selbst - sind direkt im Anschluß an ein großes Versagen möglich und wirklich. Bei der Beichtvorbereitung habe ich die Reue neu entdeckt als diesen einfachen, etwas länger verweilenden Blick auf die Person Jesu Christi; also als bewußte Hinwendung und Umkehr zu ihm. Natürlich ist dabei das Schauen auf ein Kreuz besonders beeindruckend. Die Reue ist bei mir jetzt zwar auch nicht »gefühllos«, aber sie ist keine Stimmungssache, sondern ein Akt der Zu­wendung zu Jesus.

Schließlich gibt es für mich - und das ist die dritte positive Erfahrung mit der Beichte - wirklich das Gefühl der Befreiung. Gerade wenn Abhängig­keiten, Triebe und Angstzustände, verbunden mit dem Gefühl »es ändert sich ja doch nichts, es bleibt alles beim alten« besonders bedrohend werden, erlebe ich die Beichte als Ereignis, nach dem ich befreit durch die Straßen der Stadt gehe, innerlich leicht, voll neuen Mutes, aktiv Kinder, Familie und Alltagsanforderungen mit mehr Ruhe und Gelas­senheit angehend. Vergebung ist für mich wirklich jedes Mal ein neuer Beginn. Gott sei Dank, daß er möglich ist!

5. Versöhnung in der Familie

 

Was können wir in der Familie tun? Wir können in

der Familie einüben, wie wir andere und Gott um

Vergebung bitten, aber auch zeigen, wie wir selbst

vergeben.

 

Wir können beispielsweise am Abend vor dem Schlafengehen miteinander besprechen: Wo haben wir uns gegenseitig weh getan, wo haben wir es an Liebe fehlen lassen?

Wir können in der Familie aufmerksam nach Gelegenheiten suchen, wo wir uns offen sagen können, was uns am anderen gefällt oder nicht gefällt.

Wir können als Eltern die Kinder spüren lassen, daß wir uns selber immer wieder vergeben müssen.

Wir können durch Erzählungen und Vorlesen aus der Heiligen Schrift erfahrbar machen, wie Gott dem Menschen immer wieder vergibt.

Wir können im gemeinsamen Gebet Gott unser Versagen eingestehen und ihn um Verzeihung bitten.

 

 

Zeichen und Gesten der Versöhnung

 

Die Bereitschaft zum Verzeihen und zur Versöh­nung in der Familie soll auch in äußeren Zeichen und Gesten zwischen den Ehepartnern, Eltern und Kindern und zwischen den Kindern zum Aus­druck kommen: die ausgestreckte Hand zum Frie­den, der herzhafte Händedruck, die Umarmung, der Kuß, das kleine Geschenk, ein Blumenstrauß, eine Spruchkarte, einige handgeschriebene Zei­len, die Einladung zur Tasse Kaffee oder das Ange­bot, eine Arbeit jetzt gemeinsam zu tun. Jeder in der Familie kann dies in der Form ausdrücken, die ihm und seinen Möglichkeiten entspricht. Nicht je­de Familie kann alles, aber jede kann etwas ver­wirklichen. Die Worte und Zeichen machen uns deutlich:

 

wir sind angewiesen auf Vergebung,

wir bitten um Vergebung,

wir sind bereit zu vergeben,

wir leiden unter dem Unfrieden, unter der ge­störten Beziehung,

wir wollen gemeinsam neu beginnen.

 

 

 

 

Quellenangabe für die Seite- Busse und Vergebung:

Die Texte dieser Seite stammen Auszugsweise aus: ,,Busse und Vergebung‘‘

>Sakramente im Leben der Familie<,Information und Orientierung Handreichung des Erzbistums Ordinariat München.

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